Die positive Macht unbewusster Assoziationen haben die Forscher Lawrence Williams und John Bargh auf ebenso einfache wie eindrucksvolle Weise empirisch belegt.

John Smith ist intelligent, attraktiv, fleißig, vorsichtig. Und kalt. Würden Sie gerne mit John Smith befreundet sein? Nein? Warum nicht? Wahrscheinlich wären Sie wie viele andere Menschen eher bereit, Freundschaft mit John zu schließen, wenn er intelligent, attraktiv, fleißig, vorsichtig und „warmherzig“ anstatt „kalt“ wäre.

Die Persönlichkeitseigenschaft „Wärme“ spielt eine wichtige Rolle bei sozialem Urteilen. Wärme suggeriert Freundlichkeit und Geborgenheit, Zugehörigkeit und Wohlbefinden. Diese Assoziation bildet sich bereits in frühester Kindheit, wenn wir zum Beispiel wärmenden Schutz zuhause nahe bei Mutter oder Vater finden.

Williams und Bargh zeigten nun, dass schon das Empfinden von Wärme dazu führt, dass wir andere Menschen positiver beurteilen.

Sie baten die Hälfte Ihrer Probanden, kurz eine Tasse warmen Kaffee in der Hand zu halten, bevor Sie einen Fragebogen ausfüllten, in dem sie die Persönlichkeit des Untersuchungsleiters einschätzen sollten.

Die andere Hälfte der Probanden bekam vor dem Fragebogen einen Eiskaffee zum kurz halten ausgehändigt.

Das Ergebnis: Bei den „gewärmten“ Versuchspersonen kam der Untersuchungsleiter viel besser weg. Die Wissenschaftler vermuten, dass sowohl Temperatur als auch soziale Emotionen in der gleichen Hirnregion verarbeitet werden – und zwar in der Insula bzw. Inselrinde, eine Region der Großhirnrinde, die eigentlich für Hunger, Durst und Nikotinsucht zuständig ist.

Fazit: Empfindungen wie von Geborgenheit, Wohlwollen, Bindung etc. sind mit dem Empfinden von Wärme aufs Engste miteinander verbunden.

Das spannende Experiment wurde ausgeweitet: Die Teilnehmer bekamen nun verschieden temperierte Kühlpackungen in die Hände gedrückt. Die Aufgabe bestand darin, ein Geschenk weiterzuschenken oder für sich selbst zu behalten.

Wie vermutet behielten diejenigen mit den kalten Händen die Geschenke lieber für sich selbst, wohingegen die „gewärmten“ Probanden bereit waren zum großzügigen Verschenken.

„Gibs aus der warmen Hand“ bekommt nach diesen empirischen Forschungsergebnissen der wissenschaftlichen angewandten Psychologie plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

Die warme Hand will geben: Positive Einschätzungen wie physisch reale Geschenke.

Systemisch und energetisch gesehen ebenso einleuchtend wie konstruktivistisch:

Wer im Plus ist, weil psychophysiologisch gewärmt, wird tatsächlich positiver und sozialer.

Quelle: Williams, L., Bargh, J. (2008). Experiencing physical warmth promotes interpersonal warmth. Science, 322, 2008, pp. 1427-1435

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