Teil 1: Was ist Intelligenz?

Vorab ein Fakt: Es gibt schlaue Menschen und es gibt dumme Menschen.

Die Skala zur Messung dieser schlau-dumm-Dimension wird üblicher Weise mit ‘Intelligenz’ bezeichnet. Ist diese Intelligenz, die man auch je nach Geschmack als Klugheit, geistige Kompetenz, kognitive Leistungsfähigkeit oder Informationsverarbeitungseffizienz beschreiben kann nun angeboren oder wird sie im Verlauf der Kindheit, der Jugend, des Alters erst gelernt? Die Antwort lautet wie so oft: Teils-teils.

Mit Intelligenz werden allgemein alle sogenannten kognitiven, also geistigen Fähigkeiten und Fertigkeiten beschrieben, die es uns ermöglichen, Probleme zu lösen, Zusammenhänge zu erkennen und Ideen zu entwickeln. Nach Meinung vieler Experten ist es allerdings nicht sinnvoll, von einer “globalen Intelligenz” zu sprechen, die unveränderlich jeden Menschen auf einen IQ-Wert reduziert und demnach sein geistiges Potential festlegt. Vielmehr besteht die kognitive Leistungsfähigkeit aus mindestens zwei Komponenten:

Zum einen aus einer weitgehend genetisch-biologisch festgelegten Komponente, der ‘fluiden‘ Intelligenz, die sich in den ersten Lebensjahren praktisch von selbst entwickelt. Ihre Grundlage wird bis zum Abschluss der Frontallappenentwicklung (ca. 11. Lebensjahr) gelegt, ihren Höhepunkt erreicht sie mit 17-18 Jahren. Ein paar Jahre lang bleibt sie relativ konstant, danach fällt sie langsam aber sicher ab. Je nach Lebensführung, geistiger Forderung und Förderung, Krankheiten und Suchtmittelmissbrauch. Bei den einen schneller, bei den anderen langsamer. Sie umfasst Fähigkeiten wie Auffassungsgabe, geistige Flexibilität, Schnelligkeit und Problemlösefähigkeit.

Zum anderen besteht die Intelligenz aus einer Lern-Komponente, der sogenannten ‘kristallinen‘ Intelligenz. Damit ist unser gesamtes sinnvoll nutzbares Wissen gemeint. Also alles das, was wir an Fakten und Erfahrungen gesammelt haben. Geografie, Grammatik, Klavierspielen und Fahrradfahren sind Wissens-Leistungen, die kristallin sind, quasi über die Zeit ‘kristallisiert’, perfektioniert sind.

Die zweite Komponente ist damit ohne Frage in hohem Grade modifizierbar. Wir können unsere Intelligenz steigern, indem wir eine neue Sprache lernen, eine Sportart perfektionieren, uns ganz allgemein Wissen aneignen. Das macht Eindruck.

Schwieriger ist es bei der ersten Komponente, der fluiden Intelligenz. Geistige Flexibilität, Schnelligkeit und Auffassungsgabe zu trainieren wäre sehr wünschenswert, weil diese Fähigkeiten ja die Grundlage für die effiziente Aneignung von Wissen, also die wichtige kristalline Intelligenz darstellen. Und prinzipiell ist diese fluide Intelligenz auch trainierbar: Obwohl angenommen wird, dass die Gehirnentwicklung mit dem Jugendalter abgeschlossen ist, weiß man doch, dass die sogenannte ‘Neuronale Plastizität’ in allen Gehirnregionen bis ins hohe Alter besteht. Mit neuronaler Plastizität ist die Fähigkeit von Gehirnzellen gemeint, lokal neue dauerhafte Verbindungen herzustellen und so Lernen und das Erkennen von Zusammenhängen zu ermöglichen. Warum sollte es also nicht möglich sein, die fluide Intelligenz genauso zu trainieren wie die kristalline?

Vor kurzem haben sich Wissenschaftler der Universität Bern dieser Gretchenfrage der Intelligenzforschung erneut zugewandt und ein Programm entwickelt, mit dem sie versprechen, fluide Intelligenzleistungen gezielt systematisch trainieren zu können.

Lesen Sie deshalb morgen, wie Sie Ihre Intelligenz steigern können.

Gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

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