Wer nach dem Motto ‘Auge um Auge – Zahn um Zahn’ handelt, ist unzufriedener mit dem eigenen Leben, hat weniger Freunde und wird mit höherer Wahrscheinlichkeit arbeitslos.

Wir alle sind zwar grundsätzlich zur Vergebung fähig, leben aber sehr oft nach dem Motto ‘tit-for-tat’, sprich: wenn du mir etwas gibst, bekommst du etwas von mir; falls du mir etwas antust, wehe…! Forscher sprechen hier von ‘Reziprozität’ und sind sich einig, dass reziprokes Verhalten eine wesentliche Determinante sozialer Interaktion ist.

Positives reziprokes Verhalten zeigen wir beispielsweise, wenn uns ein Freund beim Umzug hilft. Wir werden uns bei seinem nächsten Umzug entsprechend revanchieren. Negative Reziprozität äußert sich immer dann, wenn uns irgend jemand etwas ‘angetan’ hat und wir es ihm mit gleicher oder ähnlicher Münze zurück zahlen. Nach dem Motto: ‘Warum sollte ich dem jetzt helfen? Er hat mir doch damals auch nicht geholfen, als ich ihn darum gebeten habe.’

Forscher der Universität Bonn untersuchten nun die Langzeitfolgen negativer Reziprozität in einer groß angelegten Studie (20.000 Teilnehmer im deutschsprachigen Raum). Personen, die sich überwiegend positiv reziprok verhalten und bei negativen Erlebnissen eher vergeben, sind auch eher bereit, mehr als nötig zu arbeiten. Allerdings nur, wenn sie die Kompensation dafür als fair erachten. Prof. Dr. Dohmen von der Universität Maastricht: “Gerade weil sie sehr sensitiv gegenüber Anreizen sind, verdienen sie in der Regel auch mehr Geld.”

Überwiegend rachsüchtige Menschen lassen sich dagegen durch Geld weniger motivieren. Selbst Gehaltskürzungen sind hier gefährlich, weil die negativ Reziproken dazu tendieren, die Kürzung durch geringeren Arbeitsaufwand ‘zurückzuzahlen’. Prof. Dr. Falk von der Universität Bonn meint, dass es aufgrund dieser theoretischen Überlegungen logisch wäre zu erwarten, dass solche Menschen auch mit größerer Wahrschenlichkeit ihren Job verlieren. Eine Vermutung, die sich nun auch mit den objektiven Daten der Universität Bonn deckt.

Offensichtlich zahlt sich Rache nicht aus. Nicht zuletzt entstehen durch Rachegefühle ja auch Nachteile für den eigenen Körper. Negative Gefühle erzeugen Stressreaktionen, die zu gesundheitlichen Problemen führen. Bevor man also versucht, sich zu rächen und seine negativen Fantasien auszuleben, sollte man sich bewusst entspannen, die Gedanken sammeln, Herausforderungen und Verletzungen mit allen möglichen Alternativen begegnen und nicht zuletzt: Mit jemandem reden (siehe Beitrag vom 7.4.09), wenn man glaubt, dass einem Unrecht widerfahren ist – es zahlt sich aus!

gepostet i.A. von Dr. Stephan Lermer

Quellen:
Falk, A. and Dohmen, T. (2009). Vindictiveness does not pay. Science Daily, 09-03-26
Lermer, S. (1996). Immunkraft. Der mentale Weg zur Stärkung der Gesundheit. ECON, 1996, 2. Auflage

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